
Als ich den großen Basiskurs Kommunikationspsychologie konzipiert und umgesetzt habe, fiel mir auf, dass das Thema „digitale Kommunikation" mit auf meiner Liste stand. Die Wahrheit ist, ich bin zu digitaler Kommunikation wahrscheinlich so auskunftsfähig wie Sie. Was Methoden und eine Good Practice betrifft, so haben wir schlicht keine Regeln dafür. Wir können Mechanismen auftun, aber die digitale Welt verändert sich so schnell, so dass wir kaum hinterherkommen.
Meiner Beobachtung nach und auch das, was mir die Psychologie und ein paar Nachbardisziplinen dazu sagen, ist folgende: Der Mensch ist nicht für das digitale Zeitalter gemacht. Evolutionsbiologisch hängen wir noch vor etwa 10.000 Jahren fest, wo wir mehr oder weniger nackt durch die Steppe huschten.
Das bedeutet, unser Umgang mit Technik und vor allem mit digitaler Kommunikationstechnik entspricht dem Bedürfnis, das wir damals hatten, eher wegrennen als besonnen sein, weil das damals unser Überleben sicherte.
Ständige Erreichbarkeit setzt uns unter Stress, Stress bedeutet, unser Körper im Alarmzustand, aus diesem reagieren wir in zwei Richtungen, um unser Überleben zu sichern, wir kämpfen oder flüchten (in manchen Darstellungen gibt es noch das Einfrieren, nur fraglich, ob der Tiger in der Steppe Sie dann in Ruhe lässt). Was bedeutet also Kämpfen oder Flüchten, wenn das Smartphone uns stresst? Entweder wir werden wütend und klopfen drauf rum und beschweren uns lautstark oder wir gehen in die Vermeidung (eher Flucht).
Wir merken, dass es kein gutes Verhalten ist, Rumklopfen macht das Mobilgerät kaputt (na, Sie haben doch bestimmt eines gecrasht, oder?), wütend werden stört unser Sozialverhalten im Zweifel und Vermeidung führt zu Kommunikationsblockaden und verletzt andere.
Ich sehe das so, ich denke, wir müssen über unseren evolutionären Zustand hinauswachsen und unseren kulturellen Background, das, was uns als Menschen im 21. Jahrhundert ausmacht, einsetzen. Wir haben Verhaltensregeln in anderen Lebensabschnitten eingeführt, wie z. B. dass wir Bitte und Danke sagen und dass wir jemanden die Tür nicht vor der Nase zuschlagen. Warum machen wir das nicht mit WhatsApp & Co genauso?
Ansonsten gilt für gute Kommunikation dasselbe wie für alle anderen Lebensbereiche, nur ein bisschen moderner, mit Emojis und Sprachnachrichten und Videocalls. Falls Sie sich ein bisschen mehr mit Kommunikation beschäftigen möchten, schnuppern Sie doch gern in der Kursbibliothek, bei allen „Themenbausteinen“ gibt es eine kleine kostenlose Vorschau, die meistens einen kleinen Impuls aus dem Video mitgibt. Viel Spaß dabei!
Autorin: Manuela Weiner, M.S., M.A.