Wenn es etwas gibt, was der Psychologie als Methode dient, dann ist es für mich Kommunikation. In meiner Beratungspraxis hängen viele Probleme und Konflikte daran, ob und vor allem wie kommuniziert wird. Das betrifft die zwischenmenschliche Kommunikation, aber auch die Kommunikation mit uns selbst.
Viele Kommunikationskurse konzentrieren sich auf die technische Seite der Kommunikation und das ist gut und wichtig, dieses Handwerkszeug zu kennen und zu lernen. Ebenso lernen wir verschiedene Modelle der Kommunikation kennen, die uns isoliert Informationen über das zwischenmenschliche Erleben und Verhalten liefern die uns wichtig sind.
Mir ist bei der Beschäftigung mit diesem allumfassenden Themas aufgefallen, dass Kommunikation noch deutlich mehr ist. Wenn wir uns darüber Gedanken machen, welche Bestandteile Kommunikation hat und wie und wo man im gemeinsamen Kommunikationsprozess steht, dann offenbaren sich ganz neue Zugänge dorthin. Bin ich zum Beispiel in der Position des Senders/der Senderin, dann ist es meine Aufgabe meine Information nach außen zu geben: zu senden. Bin ich in der Position des oder der Empfänger:in, dann ist es meine Aufgabe, der Nachricht zuzuhören: zu empfangen.
Treten Störungen im Kommunikationsprozess auf, dann ist es wichtig zu fragen: Wer trägt die Verantwortung?
Ein Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie sind in der Position einer Büroassistentin. Ihr Chef übermittelt Ihnen Daten, die Sie an einen Geschäftspartner schicken sollen. Jetzt kann es mehrere Optionen bzw. Probleme geben, die alle eine andere Verantwortlichkeit erzeugen:
- die Daten enthalten Fehler
- der Chef hat Ihnen eine falsche E-Mail-Adresse gegeben
- die Geschäftspartner antworten einfach nicht
- Sie haben vergessen die E-Mail abzusenden.
Nach einer Weile fragt der Chef nach, was denn mit der Antwort ist bzw. schimpft er, dass Sie ihm eventuell noch keine Antwort gegeben haben. Wer hat wo und wann im Kommunikationsprozess die Verantwortung getragen? Wenn zum Beispiel der Empfänger bisher nicht geantwortet hat, dann ist es nicht Ihr Fehler. Wenn der Chef falsche Daten gegeben hat, ist es auch nicht Ihr Fehler. Es ist dann Ihr Fehler, wenn Sie vergessen haben, die E-Mail abzusenden. Es ist nicht sinnvoll dorthin zu brüllen, wo wir das Problem wahrnehmen oder vermuten oder es auf die Schultern zu legen, die uns am nächsten stehen, sondern, Kommunikationsprobleme werden dort gelöst, wo sie sind und dort wird die Verantwortung getragen.
Wenn auch Sie (mehr) Verantwortung im Kommunikationsprozess übernehmen oder verorten wollen, schauen Sie doch hier herein:
Im Themenbaustein Das Rauschen im Sender-Empfänger-Modell beschäftigen wir uns ausführlich und sehr genau damit, wo im Kommunikationsprozess wir uns jeweils befinden und wo das sogenannte Rauschen, also Störungen auftreten können. Im Themenbaustein Problemfelder der Kommunikation durchleuchten wir, wo genau das jeweilige Problem aufzufinden ist, haben wir ein Problem, unsere Kommunikationspartner oder vielleicht gar niemand?
Verfasserin: Manuela Weiner, M.Sc., M.A.
