Warum Männer besser zuhören und Frauen mehr über sich sprechen sollten

In meiner Studenten-WG damals hatte ich ein sehr nachdrückliches Erlebnis. Meine Mitbewohner (ein Mann und eine Frau) hörten mir zu, als ich in etwa Folgendes sagte: „Mhe*x meh wird..e MMx“. Er guckte mich an und sie sagte „klar kann ich den Zettel von der Bank nehmen“. Auch später in Paarberatungen machte ich oft die Erfahrung, dass Frauen in den Gesprächen meinen Erklärungen nickend und verstehend folgten und ich noch mindestens drei bis fünf Runden brauchte, um die Männer mit ins Boot zu holen.

Warum ist das so? Eigentlich ist es ganz simpel, im Grunde liegt es an der Sozialisation, an der Erziehung (ob das auch etwas Genetisches ist, bleibt ungewiss). Männer sind dazu angehalten, lösungsorientiert und selbstbewusst durchs Leben zu gehen. Ein Mann macht Ansagen. Er wird dafür gelobt. Mädchen werden dazu angehalten, zurückhaltend zu sein, sich um andere zu kümmern. Sie sollen lieb sein. Eine laute, donnernde, forsche Frau oder ein Mädchen wird häufiger als problematisch und aneckend wahrgenommen, ein Mann hingegen als selbstbewusst.

Andersherum würde ein geduldiger, zuhörender Mann, der sich auch noch vielleicht um die Kinder kümmert und den Haushalt schmeißt, schnell als weniger männlich wahrgenommen werden oder wurden. Aber mal ehrlich, was gibt es eigentlich Männlicheres als ein Vater, der für seine Kinder da ist?

Was sind eigentlich die Folgen? Im Grunde leiden alle. Dabei könnten wir voneinander profitieren, indem wir lernen, was das jeweilige Geschlecht schon deutlich besser kann, ohne dass wir gleich zu diesem werden. Wir kultivieren nicht unsere Unterschiede, sondern wir schaffen etwas Gemeinsames.

Wahrscheinlich ist das alles nicht neu für Sie? Und wahrlich, die letzten Jahrzehnte ist eine Menge passiert. Und tatsächlich liegt aus meiner Sicht die eigentliche Lösung darin, dass wir von Anfang an unsere Kinder nicht geschlechtsdifferenziert erziehen. Ihre künftigen Schwiegertöchter profitieren davon, wenn Sie jetzt schon Ihren Jungen beibringen, dass er für die anderen mitdenkt; Ihre künftigen Schwiegersöhne, dass ihre späteren Ehefrauen oder Partnerinnen ihnen klar sagen, was sie von ihnen möchten. Wenn beide sich ein bisschen mehr entgegenkommen, dann gäbe es weniger Konflikte. Denn ganz ehrlich, die meisten Probleme, mit denen Paare zur Paarberatung kommen, beruhen auf Missverständnissen, die durch unterschiedliche Kommunikation ausgelöst werden.

Was ist mit denen, die diese Sozialisation schon hinter sich haben? Vielleicht sind Sie das ja?

Eines kann ich Ihnen anbieten, es hilft enorm, wenn man sich wenigstens mit den Techniken auseinandersetzt. Männer könnten sich besser in den Techniken des Aktiven Zuhörens einarbeiten und Frauen in Ich-Botschaften. Beides gibt es hier. Die Kommunikationspsychologie ist mehr als diese Techniken zu erlernen, sie untersucht die Psychologie dahinter und fängt Sie dort ein, wo Sie sind. Es geht darum, dass Sie Ihre Muster durchbrechen und verstehen lernen, warum Sie das machen und warum es manchmal besser – trotz gelernter Intuition – ist, das gefühlte Gegenteil zu machen.

P.S. Natürlich dürfen Sie auch das jeweilig andere Thema machen, wenn Sie der Meinung sind, dass Sie sich auch darin weiterschulen möchten.

Autorin: Manuela Weiner, M.Sc., M.A.

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