
Nicht alle Jahre wieder
Ich vermute, Sie kennen das: Weihnachten steht vor der Tür und folgende Probleme tun sich auf (Liste beliebig erweiterbar):
- Sie richten die Party aus und sind jetzt schon genervt.
- Sie streiten mit Ihrer Partnerperson darüber, bei welcher Familie dieses Jahr gefeiert werden soll.
- Alles wird drumherum organisiert, dass die Oma zu Weihnachten mit eingeplant wird, und alle haben Umstände deswegen (auch die Oma).
- Die Fahrt zu den Eltern nach Hause dauert lange, eigentlich wollen Sie nicht mehr in Ihrem alten Kinderzimmer schlafen.
- Weihnachten kommen jedes Jahr alle zu Ihnen, aber Sie haben so viel zu tun, dass Ihnen schon jetzt alles über den Kopf wächst.
- Ihre Eltern streiten jedes Jahr.
- Ihre Kinder streiten jedes Jahr.
- Sie streiten sich jedes Jahr.
- Eigentlich wöllten Sie am liebsten einfach in den Urlaub fahren, vielleicht allein, vielleicht zu zweit, ganz eventuell mit den Kindern 😉
Neue Fragen
Jetzt stelle ich die Frage: Warum machen Sie nicht einfach das, worauf Sie Lust haben, und lassen, worauf Sie keine Lust haben?
Ich höre Sie: Ich kann doch die Oma nicht allein lassen? Hat die Oma das Ihnen gesagt?
Weihnachten findet jedes Jahr bei uns statt. Warum? Wer hat das festgelegt?
Meine Eltern wären enttäuscht, wenn ich sie nicht besuche. Sind Sie selbst aber nicht auch enttäuscht, dass Sie nicht machen dürfen, was Sie möchten?
Niemand hilft mir, einer muss ja alles ausrichten und sich um die Ordnung kümmern. Haben Sie denn schon mal nach Hilfe gefragt?
Warum ist das so schwer?
Ich weiß, ich weiß, ich sitze hier und habe nicht Ihren Stress, und von meiner Position aus kann ich das leicht sagen, allerdings sind die Probleme real und die Lösungen dafür möglich, allerdings nicht leicht und ein bisschen um die Ecke, so ehrlich will ich sein.
Oft ist es so, dass wir Erwartungen erfüllen, die wir nicht hinterfragen, oder Probleme problematisieren, die nicht unsere sind. Wir helfen den anderen und fragen nicht, ob sie vielleicht einige Dinge auch allein schaffen, vergessen aber, selbst zu fragen, wenn wir Hilfe benötigen.
Aus meiner langjährigen Beratungspraxis weiß ich, dass das reale Probleme sind, und ich weiß, wie schwer es ist, diese zu lösen, aber sie sind zu lösen. Neulich sagte ich mal zu einer Klientin: Sie merken, wenn Sie bereit sind dafür, wenn Sie es einfach satthaben. Und das sage ich Ihnen auch: Wenn Sie es gründlich satthaben, wenn der Preis für das ganze Nett- und Höflichsein und Nicht-Anecken-Wollen höher ist als Ihr psychisches Wohlbefinden, dann sind Sie so weit.
So lange warte ich hier.
Wir gehen es an
Ach, Sie sind noch nicht weg? Na, dann zeige ich Ihnen, wo Sie ansetzen können.
Erste Perspektive: Wer hat eigentlich das Problem?
Dann fangen wir mal an. Eines der wichtigsten Mechanismen um herauszufinden, wer eigentlich dafür verantwortlich ist. Sollten Sie darauf warten, ob die Oma jetzt von selbst kommt. Oder darauf, dass die Eltern anbieten, dass sie dieses Jahr sich um alles kümmern. Oder fahren Sie jetzt doch einfach dieses Jahr in den Urlaub? Wichtig ist herauszufinden, wo bzw. bei wem eigentlich die Verantwortung dafür liegt. Ich habe darüber einen Blogartikel geschrieben, der sich um verantwortungsvolle Kommunikation dreht. Lesen Sie ihn gern, ich warte so lange hier.
Für eine schnelle Problemverortung habe ich einen eigenen Themenbaustein entwickelt, der Ihnen eine Orientierung verschafft, woran Sie erkennen, wer eigentlich das Problem hat und demnach auch, wer dafür verantwortlich ist. Er basiert auf der Fragestellung von Thomas Gordon (und von mir entwickelt): Wer hat eigentlich das Problem – Und wo ist es gelandet. Glauben Sie mir, das kann ganz überraschende Ergebnisse bringen. Vor allem bringt es neue Perspektiven.
Zweite Perspektive: Wo befinden wir uns im Kommunikationsprozess?
Die zweite Perspektive, die unmittelbar mit verantwortungsvoller Kommunikation zusammenhängt, ist die des Senders (also der der in der Kommunikation eine Information oder eine Nachricht überbringt), der zum Beispiel sagt „Wir feiern Weihnachten bei euch“ oder die des Empfängers, der die diese Botschaft hört.
Diese Perspektive wird sehr anschaulich im Sender-Empfänger-Modell dargestellt. Dies ist eine formelle aber sehr eingängige Darstellung, die uns hilft die genaue Position im Kommunikationsprozess und auch die der Verantwortung herauszufinden.
Falls Sie noch ein bisschen vertiefter reingehen wollen, beschäftigen Sie sich gern mit dem Rauschen des Sender-Empfänger-Modells, dort zeige ich Ihnen auf, wo im gesamten Kommunikationsprozess die eigentliche Störung (das Rauschen) liegt. Aus meiner Erfahrung hilft das enorm dabei, das Problem richtig zu verorten und die Verantwortung dorthin zu tun, wo wirklich die Störung ist. Wenn also Ihre Schwiegermutter von Ihnen erwartet, dass Sie sie am zweiten Weihnachtsfeiertag besuchen, ist das im Grunde erst mal das Problem von Schwiegermama.
Dritte Perspektive: Was, wenn ich selbst verantwortlich bin?
Und jetzt brauchen wir auch noch ein bisschen Handlungsraum. Wenn Sie also feststellen sollten, upps, das Problem liegt bei mir, ich bin dafür verantwortlich, dass es angesprochen wird. Aber wie? Dafür habe ich ein Baustein entwickelt und zwar Mit Ich-Botschaften selbstbewusster kommunizieren.
In meinem Artikel Die selbstbewusste Frau trägt Ich-Botschaften (das gilt genauso für Männer, nur Frauen fällt es erfahrungsgemäß noch einen Zacken schwerer), zeige ich Ihnen wie Selbstbewusstsein und Kommunikation aus der Ich-Perspektive zusammenhängen.
Das ist keine leichte Kost, das gebe ich zu, aber Sie wollen doch Ihre Bedürfnisse umsetzen, oder? Mit Ich-Botschaften zeige ich Ihnen ein umfangreiches Tool, das Sie verwenden können, um Ihre Gespräche besser vor- und nachzubereiten. Entlang von ausführlichen Fallbeispielen begleite ich Sie dabei, wie Sie Ihre Botschaft richtig platzieren und Ihre Bedürfnisse formulieren und sich damit durchsetzen und abgrenzen können.Wenn Sie also oben genanntes Problem mit Ihrer Schwiegermutter lösen wollen, dann gehen Sie in dieses Gespräch gut vorbereitet (nachdem Sie es natürlich bei mir geübt haben). Wie Irvin Yalom schon sagte: Schmiede das Eisen, solange es kalt ist. Also nicht erst den Weihnachtsbraten anbrennen lassen, sondern die Götterspeise kalt servieren.
Autorin: Manuela Weiner, M.Sc., M.A.